Stellungnahme

30.08.2017

Stellungnahme zu den Reaktionen auf unseren offenen Brief an TERRE DES FEMMES Deutschland „Wir wünschen uns einen Verein, der dafür steht, dass alle Frauen* gehört werden“

Angesichts des Gegenwinds auf unseren offenen Brief an TERRE DES FEMMES von Seiten des Vereinsvorstands (siehe u.a. die offizielle Replik des Vereins sowie den Emma-Artikel vom 26. Juni 2017) und des laufenden Vereinsausschlussverfahrens gegen alle Unterzeichner*innen des offenen Briefs – soweit sie nicht ohnehin schon ausgetreten sind – möchten wir nochmals öffentlich Stellung beziehen. Wir sind enttäuscht über die emotional aufgeladenen Reaktionen und die mangelnde Souveränität des Vorstands, eine inhaltliche Debatte zu führen. Stattdessen werden die Kritiker*innen persönlich abgewertet, der Lüge und des Kulturrelativismus bezichtigt und schließlich aus dem Verein ausgeschlossen.

Wir können den Vorwurf der Vereinsschädigung nicht nachvollziehen und weisen ihn entschieden zurück. Wie wir mehrfach ausdrücklich bekräftigt haben, schätzen wir die Arbeit und die Errungenschaften von TERRE DES FEMMES, der Mitarbeiter*innen und der Mitfrauen in hohem Maße. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir Feminist*innen die gleichen Ziele verfolgen und dass es derart tiefe Gräben zwischen uns nicht geben müsste, wenn wir uns aufgeschlossen und bereit zur Selbstreflektion und Differenzierung gegenseitig zuhören würden.

Dass uns, den Unterzeichner*innen des offenen Briefs, immer wieder der Vorwurf des Kulturrelativismus entgegenschlägt bekräftigt einmal mehr, dass der Vorstand von TERRE DES FEMMES einen differenzierten Umgang mit unserer Kritik verweigert. Wie in dem offenen Brief und auch in Äußerungen von Unterzeichnerinnen gegenüber der taz ausdrücklich betont wurde, verurteilen wir ausnahmslos jede Form von Diskriminierung und Menschenrechtsverletzung, unabhängig davon durch welche Religion, Ideologie oder kulturelle Praxis diese gerechtfertigt werden soll.
Wir möchten nochmal ausdrücklich betonen, dass es uns nicht in erster Linie um die Kritik an der Forderung nach einem Kopftuchverbot für Mädchen geht. Wir halten diese Forderung lediglich für ein Symptom einer bedauerlichen Entwicklung, die wir bei TERRE DES FEMMES seit Jahren beobachten: Anstatt der Vielfalt der Lebensentwürfe von Frauen* und Mädchen* Gehör zu schenken und gerecht zu werden, erhebt TERRE DES FEMMES mit zahlreichen Forderungen einen Alleinvertretungsanspruch.

Die persönlichen Abwertungen der Unterzeichner*innen durch den Vereinsvorstand unterstreichen diese Tendenzen. So wurden wir beispielsweise von Vorstandsfrau Hania Luczak öffentlich als „Claquerinnen des Patriarchats“ verunglimpft. Vorstandsfrau Necla Kelek bezeichnet uns in der Emma als „junge Frauen, die gerade erst von der Uni kommen“ und die ohnehin erst „einige Wochen bei uns sind“. Diese Aussage wird den diversen Funktionen, die die Unterzeichner*innen im Verein ausgeübt haben, nicht gerecht. Unter ihnen sind neben ehemaligen Praktikantinnen auch zahlreiche langjährige Mitarbeiterinnen und ehrenamtlich Aktive. Diese Aussage wertet speziell diejenigen ab, die sich im Rahmen eines mindestens dreimonatigen Praktikums für eine geringe Aufwandsentschädigung bei TERRE DES FEMMES engagiert haben und dabei sowohl das Tagesgeschäft als auch die inhaltliche Zuarbeit für die Referent*innen übernommen haben. Necla Keleks Aussage erinnert an den alltäglichen Sexismus, dem junge Frauen immer wieder im Berufsleben begegnen, wenn ihnen ihre eigenen Ansichten abgesprochen und sie auf Grund ihres Alters nicht ernst genommen werden, ihre Arbeitskraft aber gerne genutzt wird. Derartigen Argumentationsmustern sollte ein Verein, der sich gegen patriarchale Verhältnisse einsetzt, unserer Ansicht nach eine klare Absage erteilen.

Zudem verwehren wir uns vehement gegen die vom Vorstand erhobene Behauptung, wir würden Unwahrheiten verbreiten. All unsere Äußerungen lassen sich schriftlich belegen oder können von zahlreichen Unterzeichner*innen und anderen Mitfrauen bezeugt werden.

Wir wollen Dialog – immer noch! Diffamierung und der Ausschluss Andersdenkender öffnet keine Türen und schafft keine Zukunft.